Die Objektivität ist die letzte große Erzählung einer sterbenden Epoche. Wir klammern uns an den Begriff der „unabhängigen Presse“ wie ein Ertrinkender an einen morschen Balken, während das Fundament längst von den Fluten der Parteilichkeit unterspült wurde. Wer heute noch an die klinisch reine Wahrheit im Abendblatt glaubt, hat den Übergang vom Journalismus zur Hofberichterstattung schlicht verschlafen.

In unserer sogenannten Demokratie ist die Information zur Munition geworden. Die Medien agieren nicht mehr als Schiedsrichter, sondern als Balljungen der Macht. Es ist ein faszinierendes, wenn auch erschreckendes Spektakel: Redaktionsstuben, die sich als moralische Instanzen gerieren, während sie in Wahrheit nur noch die Pressemitteilungen der Regierenden in ein gefälliges Narrativ übersetzen. Der Wählerwille? Er wird nicht mehr abgebildet, er wird moderiert. Er wird so lange gefiltert, bis er in die engen Schablonen der politischen Korrektheit passt, die von jenen definiert werden, die am Drücker sitzen.

Die wirkliche Wahrheit wurde längst unter den rostigen Ketten einer ideologischen Dickköpfigkeit zermalmt. Es herrscht eine Arroganz der Macht, die den Bürger nicht mehr als Souverän, sondern als zu erziehendes Mündel betrachtet. Wenn die Realität nicht zu den politischen Zielen passt, wird eben die Wahrnehmung der Realität korrigiert. Man nennt das dann „Einordnung“ oder „Faktencheck“, doch es ist oft nichts anderes als die digitale Guillotine für unliebsame Fakten.

Wir beobachten eine Symbiose der Ignoranz: Regierende, die sich über das Volk erheben, und Medien, die ihnen dabei die Schleppe tragen. Die Distanz, die einst die Autorität des Beobachters ausmachte, ist einer kuscheligen Nähe gewichen. Man trinkt denselben Wein, teilt dieselben Blasen und wundert sich am Ende über die „Spaltung der Gesellschaft“. Dabei ist diese Spaltung lediglich das Resultat einer Wahrheit, die keinen Platz mehr im offiziellen Programm findet.

Am Ende bleibt uns nur der Logenplatz des Skeptikers. Wer die Fassaden durchschaut hat, lässt sich nicht mehr von den bunten Bildern der Tagesschau blenden. Wir erkennen die Drähte der Marionetten. Die wahre Freiheit beginnt dort, wo wir aufhören, die servierte Wahrheit als das Ende der Erkenntnis zu akzeptieren.

Hochachtungsvoll,

Ihr

Lennox Cole